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STOLPERSTEINE IN OSNABRÜCK

 

Stolpersteine in OsnabrĂŒck sind besondere Pflastersteine in den BĂŒrgersteigen, die an die Opfer der nationalsozialistischen Diktatur in OsnabrĂŒck erinnern sollen.

Inhaltsverzeichnis

 

1 Anlass ↑

Im Dezember 2006 ĂŒbernahm der Rat der Stadt OsnabrĂŒck die Idee des Kölner KĂŒnstlers Gunter Demnig, Stolpersteine zu verlegen, um an die Opfer der nationalsozialistischen Diktatur zu erinnern[1]. Die mit einer Messingplatte versehenen Steine werden als Mahnmal verlegt. FußgĂ€nger sollen symbolisch ĂŒber die Steine, die ebenerdig in das Pflaster eingearbeitet und mit einer Inschrift versehen sind, stolpern. In die Messingplatten sind die Namen der jeweiligen Personen oder der Personenkreis oder die Familie eingraviert und sollen an die Opfer-Persönlichkeiten erinnern. Die Stolpersteine werden vor deren ehemaligen Wohnungen oder ArbeitsstĂ€tten in die BĂŒrgersteige eingelassen.

Folgende Kriterien sind, im Einklang mit der Konzeption des KĂŒnstlers Gunter Demnig, maßgeblich fĂŒr die Definition der Opfergruppen in der Umsetzung des Projektes “Stolpersteine" in OsnabrĂŒck:

  • Opfer, deren letzter freiwillig gewĂ€hlter Wohnort in OsnabrĂŒck lag,
  • Opfer die unter dem Druck der damaligen UmstĂ€nde Selbstmord begangen,
  • Opfer, die unter den Bedingungen der Deportation oder der Haft zu Tode kamen.

Zu den Opfergruppen gehören demnach: Juden, Sinti, EuthanasieopferBKL, Deserteure, Homosexuelle, ethnisch, religiös oder politisch Verfolgte. Aber auch die Opfer, die verhaftet wurden und zu Tode kamen, weil sie beispielsweise Kontakt zu Zwangsarbeitern hatten oder ihnen etwas zu Essen zusteckten, fallen unter die Opfer im Sinne des Projektes Stolpersteine. Die Definition "letzter freiwillig gewĂ€hlter Wohnort" schließt die Gruppe der Zwangsarbeiter aus. [2]

Das Projekt wird in OsnabrĂŒck seit November 2007 umgesetzt.

Bis September 2008 wurden 36 Stolpersteine verlegt. Sie sind ĂŒber das ganze Stadtgebiet verteilt[3]. Die nĂ€chste Verlegung der Stolpersteine in OsnabrĂŒck erfolgt am 11. November 2008. Bei der Verlegung werden neun weitere hinzukommen. Diese Steine erinnern an zwei jĂŒdische Familien, an eine Frau, die Opfer der Euthanasie wurde, und an einen Mann, dem die Denunziation seines Mieters zum VerhĂ€ngnis wurde.[4]

Gunter Demnig wird bei der Verlegung anwesend sein und einen neuen Jahrgang von BerufsschĂŒlern des Berufsschulzentrums Westerberg, die dort das Berufsgrundbildungsjahr "Bautechnik" absolvieren, in die Verlegetechnik einweisen.

Um 9.30 Uhr werden die Stolpersteine an der Herderstraße 3 fĂŒr Heinrich Pfingst und seine Tochter Doris Engers, seinen Schwiegersohn Heinz Engers und den 1938 im Amsterdamer Exil geborenen Enkel Freerk Engers verlegt. Aufgrund ihres jĂŒdischen Glaubens wurden Heinrich Pfingst 1943 im KZ Sobibor ermordet, Doris, Heinz und Freerk Engers 1942 im KZ Auschwitz. Im Anschluss um etwa 10.15 Uhr werden an der Parkstraße 17a die Steine fĂŒr Heinrich Glorius verlegt, der aufgrund seiner politischen Überzeugung 1944 verhaftet und nach KZ Neuengamme deportiert und im Arbeitslager KZ Farge bei Bremen unter ungeklĂ€rten UmstĂ€nden zu Tode kam.

Die Familie von Heinz Engers hat an der Seminarstraße 1 gewohnt. Hier findet um etwa 10.45 Uhr die Verlegung fĂŒr die Eltern Freerk und Margarete Engers, die 1943 im KZ Sobibor ermordet wurden und die Schwester Rose Engers, die 1943 in Auschwitz starb, statt.

Die letzte Verlegestelle ist am Neuen Graben 22 auf der rĂŒckwĂ€rtigen Seite des Hauses zum GrĂŒnen Brink. Hier stand frĂŒher das Haus Alte MĂŒnze 1, Hotel Hackmann, in dem Wilhelmine Rojahn geboren wurde und aufwuchs. Als Patientin der Heil- und Pflegeanstalt OsnabrĂŒck wurde sie 1941 erst nach Eichberg, spĂ€ter NS-Tötungsanstalt Hadamar deportiert und dort ermordet.

Am 8. Oktober 2008 wurde der Dokumentarfilm Stolpersteine beim Filmfestival in OsnabrĂŒck gezeigt.

 

2 Familie van Pels ↑

 

 

Vor dem GebĂ€ude in der Martinistraße 67a in OsnabrĂŒck findet man Stolpersteine fĂŒr die Familie van Pels. Dort hatten sie im ersten Stock gewohnt. Fam. van Pels versteckte sich mit der Familie von Anne Frank in Amsterdam.

Hermann van Pels

† 08.09.1944 / KZ Auschwitz

Auguste van Pels

† 09.04.1945 / Raguhn, Außenlager des KZ Buchenwald

Peter van Pels

† 05.05.1945 / KZ Mauthausen

Verlegung der Stolpersteine: Donnerstag, 15. November 2007 ♁Koord.52.2711438.031619


 

 

3 Johannes Prassek ↑

 

 

Am 15. November 2007 wurde vor der Christus-König-Kirche in der Bramstraße 105 in OsnabrĂŒck-Haste ein Stolperstein fĂŒr Johannes Prassek verlegt. Johannes Prassek war katholischer Priester und gehört zu den sogenannten LĂŒbecker MĂ€rtyrern. Er hatte in der Christus König-Kirche 1937 seine erste heilige Messe als Priester gefeiert. Außerdem ist das dortige Jugend- und Gemeindehaus nach ihm benannt.

Johannes Prassek

† 10.11.1943 / hingerichtet im GefĂ€ngnis Holstenglacis, Hamburg

Verlegung des Stolpersteins: Donnerstag, 15. November 2007 ♁Koord.52.3053978.048291


 

 

4 Gewerkschafter und Sozialdemokraten ↑

 

 

Stolpersteine als Erinnerung fĂŒr Gewerkschafter und Sozialdemokraten im Kollegienwall 14/14a. Hier befand sich das Gewerkschaftshaus, welches im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Bis zur Besetzung durch die Nationalsozialisten am 11. MĂ€rz 1933 befanden sich hier zahlreiche sozialdemokratische und gewerkschaftliche Einrichtungen.

Fritz Szalinski

GewerkschaftssekretÀr und SPD-Vorsitzenden
† 15.01.1945 / an den unmenschlichen Bedingungen der Haft im
KZ Neuengamme

Wilhelm Mentrup

fĂŒhrendes SPD-Mitglied und GeschĂ€ftsfĂŒhrer der AOK OsnabrĂŒck,
† 20.12.1944 / an den unmenschlichen Bedingungen der Haft im KZ Neuengamme

Heinrich Groos

fĂŒhrendes SPD-Mitglied und Direktor des Arbeitsamtes
† 03.05.1945 / auf dem HĂ€ftlingsschiff "
Thielbek"

Heinrich NiedergesĂ€ĂŸ

SPD-ParteigeschĂ€ftsfĂŒhrer
† 03.05.1945 / auf dem HĂ€ftlingsschiff "Thielbeck"

Gustav Haas

GewerkschaftssekretÀr und Provinziallandtagsabgeordneter
† 13.10.1933 / mehrfache Inhaftierungen im Jahr 1933 ließen seinen Gesundheitszustand derart verschlechtern, dass er schon zu Beginn der NS-Zeit verstarb

Verlegung der Stolpersteine: Donnerstag, 26. Juni 2008 ♁Koord.52.2720218.0545501


 

 

5 Johann Staperfeld ↑

 

 

Vor dem Haus SĂŒsterstraße 25 (ehemals: Hausnummer 23) wurde ein Stolperstein fĂŒr Johann Staperfeld verlegt. Er wurde wegen der Beschimpfung Adolf Hitlers mehrfach verhaftet und in das KZ Sachsenhausen verbracht.

Johann Staperfeld

† 18.04.1944 / gestorben an den grausamen und unmenschlichen Behandlungen im GefĂ€ngnis Berlin-Alexanderplatz

Verlegung des Stolpersteins: 30. MĂ€rz 2008 ♁Koord.52.2694958.049116


 

 

6 Charlotte und Helga Seligmann ↑

 

 

Charlotte Seligmann hat von den unsĂ€glichen ZustĂ€nden im Zwangsarbeiterlager in Bielefeld, in dem ihr Mann Fritz interniert war, gehört und dies weiter erzĂ€hlt. Daraufhin wurde sie denunziert und in das KZ RavensbrĂŒck gebracht. Die gemeinsame Tochter Helga musste in das Kinderheim am Schölerberg. Familie Seligmann wohnte in der Johannisstrasse 22

Charlotte Seligmann

† unbekannt / KZ Sachsenhausen

Helga Seligmann

† 21.11.1944 / bei einem Bombenangriff auf das Kinderheim

Verlegung der Stolpersteine: 30. MĂ€rz 2008 ♁Koord.52.2694958.049116


 

 

7 Gertrud David ↑

 

 

Die JĂŒdin Gertrud David wohnte in der Krahnstraße 1/2. Sie litt an KinderlĂ€hmung und Epilepsie und wurde, ĂŒber mehrere Stationen, in die Landespflegeanstalt Brandenburg eingeliefert.

Gertrud David

†1940 / vergast in der Landespflegeanstalt Brandenburg (Euthanasieopfer)

Verlegung des Stolpersteins: 30. MĂ€rz 2008 ♁Koord.52.2771568.04118


 

 

8 Familie Silbermann ↑

 

 

Die Stolpersteine fĂŒr die jĂŒdische Familie Silbermann wurden vor deren Wohnhaus Neue Straße 20 verlegt. Der jĂŒngste Sohn konnte 1939 nach Großbritannien emegrieren. Das Ehepaar Israel und Johanna Silbermann und der Ă€lteste Sohn Siegfried waren seit September 1940 im "Judenhaus" Kommenderiestraße 11 gemeldet.

Israel Silbermann

† 06.09.1943 / KZ Theresienstadt

Johanna Silbermann

† 14.09.1942 / KZ Theresienstadt

Siegfried Silbermann

† unbekannt / KZ Theresienstad

Julius Silbermann

† 28.11.1938 / KZ Buchenwald

Verlegung der Stolpersteine: 26. Juni 2008 ♁Koord.52.2795018.040843


 

 

9 Raphael und Alma Flatauer ↑

 

 

Vor dem Wohnhaus der jĂŒdischen Familie Flatauer in der Herderstrasse 22 wurden zwei Stolpersteine verlegt.

Raphael Flatauer

† 1943 / KZ Auschwitz

Alma Flatauer

† 1943 / KZ Auschwitz

Verlegung der Stolpersteine: 30. MĂ€rz 2008 ♁Koord.52.2730268.034991


 

 

10 Frieda Lieblich ↑

 

 

Die JĂŒdin Frieda Lieblich wohnte in der Uhlandstraße 2a und wurde in der Aktion DĂŒnamĂŒnde ermordet.

Frieda Lieblich

† 02./03. 1942 / DĂŒnamĂŒnde

Verlegung des Stolpersteins: 30. MĂ€rz 2008 ♁Koord.52.2747088.03295


 

 

11 Familie Winter/Schmidt ↑

 

 

Die Sinti-Familie wohnte in der Großen Rosenstraße 1 (jetzt Große Rosenstraße 1-3), wo auch die Stolpersteine verlegt sind.

Oswald Winter

† 29.03.1944 / KZ Auschwitz

Marie Schmidt

† 10.01.1944 / KZ Auschwitz

Ramona Schmidt

† 16.01.1944 / KZ Auschwitz

Werner Schmidt

† 07.04.1943 / KZ Auschwitz

Verlegung der Stolpersteine: 15. November 2007 ♁Koord.52.2711788.049201


 

 

12 Familie Strauss ↑

 

 

Die Stolpersteine fĂŒr die Sinti-Familie Strauss wurde vor deren Wohnhaus in der SchĂŒtzenstraße 24 verlegt.

Heinrich Strauss

† 07.12.1943 / KZ Auschwitz

Sibilla Strauss

† 14.07.1943 / KZ Auschwitz

Anna Strauss

† 11.07.1943 / KZ Auschwitz

Walter Strauss

† 06.07.1943 / KZ Auschwitz

Hildegard Strauss

† unbekannt / KZ Auschwitz

Margot Strauss

† 28.04.1943 / KZ Auschwitz

Verlegung der Stolpersteine: 26. MĂ€rz 2008 ♁Koord.52.2763888.075707


 

 

13 Heinrich Hackmann und Lissy Rieke ↑

 

 

Vor dem Haus Wiesenbachstraße 24 wurden zwei Stolpersteine fĂŒr Lissy Rieke und Heinrich Hackmann verlegt.

Heinrich Hackmann

KPD-FunktionÀr
† 25.04.1944 / Zuchthauslazarett
MĂŒnster (Westfalen) an HerzschwĂ€che durch Hunger und Entbehrungen

Lissy Rieke

KVJD-Mitglied
† 05.01.1945 / wegen
Hochverrats in Dortmund hingerichtet

Verlegung der Stolpersteine: 30. MĂ€rz 2008 ♁Koord.52.2650538.044013


 

 

14 Familie Jacobson ↑

 

 

Der Stolperstein fĂŒr den jĂŒdischen Rechtsanwalt und Vorstand der Synagogengemeinde Ernst Jacobson wurde vor dessen Wohnhaus Wittekindstraße/Ecke Karlstraße verlegt. Die Familie Jacobson hatte die Emigration in die USA vorbereitet. Ernst Jacobson wurde vor der Emigration in seinem Schrebergarten tot aufgefunden, seiner Ehefrau Margarete und den Kindern Else und Rudolf gelang die Emigration jedoch noch.

Dr. Ernst Jacobson

† 08.10.1938 / offiziell Selbstmord, wahrscheinlich aber ermordet[1]

Verlegung der Stolpersteine: 18. September 2008 ♁Koord.52.2762878.044013


 

 

15 Weblinks ↑

Offizielle Stolpersteine-Seite

 

16 Einzelnachweise ↑

  1. ↑Offizielle Seite zu den Stolpersteinen in OsnabrĂŒck
  2. ↑Voraussetzung fĂŒr die Ehrung in OsnabrĂŒck
  3. ↑Karte der Stolpersteine in OsnabrĂŒck
  4. ↑Verlegung am 11. November 2008